[Anleitung] Getriebeölwechsel beim 41TE 41AE A604

  • Hallo zusammen,


    hier eine Anleitung zum Wechsel des Getriebeöls beim Viergang-Automatikgetriebe "UltraDrive".
    Das Getriebe kam Ende der 80er als A604 auf den Markt, die Bezeichnung änderte sich schnell in 41TE bzw. 41AE (Allrad-Version). Es war das weltweit erste computergesteuerte Getriebe.
    Das ATF+3 Getriebeöl wurde speziell für das A604 neu entwickelt.


    Beim Voyager wurde das Getriebe bei allem 3,3L und 3,8L Motoren verbaut. Zusätzlich war es, neben dem A-670, auch am 3.0L Motor verbaut.


    Grundsätzlich sollte man das Öl eher früher als später wechseln. Im Service Manual ist zwar ein Wartungsintervall von 48000km angegeben, ein Intervall von maximal 25000km ist allerdings realistischer.


    Das Getriebe fasst ca. 8,6L Getriebeöl. Bei einem Ölwechsel können davon ca. 3.8-4L getauscht werden.


    Öl-Empfehlungen und Teilenummern für Filter und Dichtungen sind im Service-Blatt zu finden.
    Serviceblatt-Thread

    Download im Wiki



    Getriebeöl-Auswahl:
    ATF+3 wurde 2005 durch ATF+4 ersetzt. ATF+3 entsprach der Chrysler Freigabe MS-7176, ATF+4 entspricht der Freigabe MS-9602.
    Öle dieser Spezifikationen sollten bedenkenlos eingesetzt werden können.


    Alternativ bietet Chrysler eine Liste freigegebener Öle an:
    Center for QA - Freigabeliste ATF+4


    In das Getriebe gehören grundsätzlich keinerlei Additive, Dexron II oder "normale" Getriebeöle.


    Vorbereitung:
    Das Getriebe ist für den Ölwechsel im Idealfall kalt und wurde vorher nicht gefahren.


    Für einen Getriebeölwechsel werden ca 5L Öl benötigt, dann hat man noch etwas übrig falls was schief läuft.
    Bei jedem Getriebeölwechsel muss der Getriebeölfilter ebenfalls getauscht werden.


    Chrysler selbst verwendete anfangs zur Abdichtung der Ölwanne ausschließlich Silikon-Dichtmittel, später waren auch "richtige" Dichtungen verfügbar. Diese sind einfacher zu verarbeiten.


    In dieser Anleitung kommt Motul Multi ATF zum Einsatz. 5L Öl und Filter sind bei Getriebe-Schwan für ca 70€ zu bekommen.


    Benötigtes Werkzeug:


    - Knarre mit Nuss Schlüsselweite 10mm
    - Drehmomentschlüssel bis 19 nM
    - große Öl-Auffang-Wanne
    - Reinigungsvlies für die Ölwanne
    - Dichtmittel oder Dichtung
    - ggfs. Schaber zum Öffnen der Wanne / entfernen von Silikon-Resten



    Schritt 1:
    Entfernen von Ölwanne und Filter


    Zuerst werden alle Schrauben (14 Stück) 1-2 Umdrehungen angelöst, dann können alle Schrauben außer die in den Ecken entfernt werden.


    Wurde vorher eine Dichtung verwendet kann es jetzt schon anfangen zu tropfen. Die Dichtung löst sich relativ schnell.


    Wurde Silikon verwendet, kann es sein dass die Ölwanne "festklebt". In dem Fall sollten die Schrauben noch 1-2 Umdrehungen gelöst werden und mit einem Gummihammer gegen die Wanne geklopft werden.
    Sollte sich die Wanne auch dann noch nicht lösen, kann versucht werden die Wanne mit einem Schaber zu lösen.
    Ein Schraubenzieher als Hebel sollte hier vermieden werden, da dieser Wanne und Dichtfläche beschädigen könnte. Dann kann es sein, dass eine normale Dichtung nicht mehr ausreicht und man Dichtmittel verwenden muss.


    Wenn das Öl aufhört herauszulaufen kann die Wanne entfernt werden.
    Der Ölfilter kann dann einfach nach unten herausgezogen werden, dabei wird nochmal ein Schluck Öl aus dem Getriebe austreten.
    Das Getriebe wird ohne Ölwanne permanent tropfen.


    Der alte O-Ring der Filters bleibt oft im Getriebe stecken. Er wird ersetzt und muss entfernt werden.


    Schritt 2:
    Reinigen der Dichtflächen und des Magneten


    Mit dem Vließ wird die Dichtfläche an Ölwanne und Getriebe gereinigt.
    Schmirgelpapier oder eine Drahtbürste beschädigen die Dichtfläche und sollten nicht verwendet werden.


    Der Magnet sammelt kleine Späne und kann zur Reinigung entnommen werden. Der Magnet hier im Bild ist noch sehr sauber, also nicht erschrecken wenn etwas mehr am Magnet hängt als hier zu sehen.
    Sollten sich grobe Metallbrocken am Magneten befinden kann das auf einen mechanischen Fehler hinweisen.


    Schritt 3:
    Einbau von Filter und Ölwanne


    Mit zwei Haltenasen rastet der neue Filter an zwei Haltepunkten ein.
    Unbedingt darauf achten, dass der neue O-Ring mit eingesetzt wird!


    Bei dieser Wanne wird Silikon-Dichtmittel verwendet.


    Die beiden vorderen Schrauben in den Ecken werden zuerst halb eingeschraubt, dann können die hinteren vier Schrauben eingesetzt werden.
    Beim Verwenden von Dichtmasse hilft das Anziehen der hinteren vier Schrauben damit das Getriebe aufhört zu tropfen.
    Danach können alle weiteren Schrauben eingesetzt und angezogen werden.


    Anschließend können die Schrauben festgezogen werden.

    Hinweis: Das Werkstatthandbuch empfiehlt an dieser Stelle 19nM. Die Erfahrung zeigt dass dieser Wert recht hoch gewählt ist. Insbesondere bereits beanspruchte Gewinde können dabei ausreißen.

    Ich persönlich taste mich mit 12nM an ein „gutes Handgefühl“ heran.



    Achtung! Bei der Verwendung einer Dichtung ist es empfehlenswert die Schrauben nach ein paar Tagen nochmal nachzuziehen.
    Wenn sich die Dichtung setzt kann es sein dass die Schrauben nicht mehr fest genug sitzen und die Dichtung leckt.


    Schritt 4:
    Auffüllen von Öl und Ölstand messen


    Manche Auffangwannen habe eine Skala, sodass man ablesen kann wie viel Öl entfernt wurde.
    Hat man keine Skala, können laut Service Manual zunächst pauschal ca. 3,75L (4 Quart) eingefüllt werden.


    Hier wird das Getriebeöl eingefüllt und der Ölstand gemessen.


    Manche Ölkanister haben einen Rüssel um das Öl einzufüllen, ansonsten hilft ein Trichter weiter.


    Richtiges ermitteln des Ölstandes:
    - Das Fahrzeug muss auf einer ebenen Fläche stehen
    - Das Getriebe muss kalt sein


    1. Motor starten und eine Minute im Leerlauf stehen lassen (so wird der Ölstand mit dem Differential ausgeglichen)
    2. Feststellbremse und Betriebsbremse betätigen
    3. Alle Gänge "P", "R","N", "D"; "3" & "L" durchschalten, ein paar Sekunden in jedem Gang verbleiben.
    4. "P" einlegen, Motor laufen lassen
    5. Ölstand am Messstab ablesen - der Ölstand sollte 3mm unter der "Add"-Marke (unterste Bohrung) liegen
    6. ggfs. Öl ergänzen, danach Schritte 1-4 wiederholen
    7. Getriebe warm laufen lassen - das geschieht auch durch den Wärmetauscher Kühlflüssigkeit <-> Getriebeöl
    8. Ölstand prüfen - der Ölstand sollte in der schraffierten "Hot" Fläche liegen




    Grüße :)

    Ich heiße nicht Wolfram, das ist nur mein Nickname.


    "Bestandener TÜV beim ersten Versuch bringt Unglück"

  • Mal so zur Ergänzung eine kleine Hilfe für´s Ablassen des alten Öles: Die Idee hatte Klemu, in die in Einbaulage tiefste Stelle der Ölwanne vom Getriebe ein Loch ca. 6mm bohren. Außen eine Mutter M6 auflegen, vorher darunter die Farbe entfernen und auch etwas rundrum, die Mutter mit einer Schraube von innen festhalten, sie zunächst anpunkten, dann Schraube raus und sie rundrum durchschweißen, das muß dicht werden ! In die Mutter kommt für den Betrieb von außen eine kurze M6er Schraube mit ner Alu- oder Kupferdichtung. Zum Ablassen einfach die Schraube rausdrehen, das dämpft sie Sauerei beim Ablassen erheblich.... Die Wanne kann danach mit allen Rückständen abgebaut werden. Rest wie beschrieben.

  • Hey,


    sehr guter Gedanke.

    Solche Ölwannen gibt es zum Glück schon reichlich für das A604 / 41TE.


    Hier zB bei eBay von Mike & Franks für 46€

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    Bei RockAuto haben die Ersatzwannen für das Getriebe mittlerweile alle eine Ablasschraube.


    Namentlich das Ultra Power 265801 für 17€, SKP SK264801 für 23€ und das ATP 103161 für 24€.

    https://www.rockauto.com/de/catalog/plymouth,1994,grand+voyager,3.3l+v6,1309980,transmission-automatic,fluid+pan,8546


    Ich habe selber eine solche Ölwanne für mich. Die Qualität ist hervorragend und der Stahl ist dicker als die Originalwanne. Das gute Stück wiegt ca 400 Gramm mehr als die Originale.


    Man sollte dabei natürlich nicht auf die Idee kommen nur das Öl abzulassen und aufzufüllen. Zu einem Ölwechsel gehört grundsätzlich auch ein Tausch des Filters.


    Die von dir angesprochene Lösung macht das Wechseln natürlich bedeutend sauberer!


    Liebe Grüsse

    Ich heiße nicht Wolfram, das ist nur mein Nickname.


    "Bestandener TÜV beim ersten Versuch bringt Unglück"