Service Blatt für Voyager 1991-1995

  • Jetzt muss ich auch mal meinen Senf dazugeben 🤣...

    In meiner User Vorstellung hab ich ja schon geschrieben, dass die Freundschaft zu meinem „Dicken“ etwas holprig begann. Kurz: massive Getriebeprobleme. Seit diesem Tag hat das Getriebe nie wieder einen Tropfen ATF Getriebeöl gesehen. Statt dessen bin ich Veedol Unitrans (irgendwas) gefahren. Aller 15.000km gab‘s nen Ölwechsel im Getriebe und so war ich damit ca. 170Tkm unterwegs und hab ihn nie geschont. Ich war viel auf der Autobahn unterwegs und dort immer recht zügig (170+) und das ganze oft voll beladen. Es gab nie wieder Probleme mit dem Getriebe.

    Warum ich das hier schreibe? Früher (2005-2009) würde ich immer schief angeschaut, weil ich kein ATF Öl gefahren bin. Jeder hat mir prophezeit, dass das Getriebe das Öl und meinen Fahrstil nicht lang mitmacht....

    Warum ich kein ATF mehr genutzt habe? Ich hab irgendwo mal gelesen, dass das ATF erhöhte Temperaturen nicht so recht verkraftet. Es würde zu Bläschenbildung kommen und diese kleinen Bläschen würden dem Getriebe zusetzen... Keine Ahnung ob da was dran ist. Ihr könnt mich gern aufklären 😉.

    Damals wurde empfohlen einen großen bzw. zweiten Ölkühler zu installieren und auf alle Fälle ein Temperaturmessgerät für das Getriebeöl...

    Wie denkt ihr heute drüber?

  • Ich persönlich denke, dass man "einfach" ganz beruhigt zu einem ATF+4 seiner Wahl greifen kann.

    Vielleicht ist da mal ein Grundsätzlicher thread für sinnvoll.


    Chrysler hat das ATF+3 am Anfang des Einsatzes vom A604/41TE für dieses Getriebe entwickelt, daraus wurde dann das ATF+4 weiterentwickelt.

    Wenn die Jungs bei Chrysler es nicht wirklich gemusst hätten (Garantie / Folgeschäden etc) dann hätten sie sich das wahrscheinlich gespart und etwas genommen was es schon gab.

    Warum ich das hier schreibe? Früher (2005-2009) würde ich immer schief angeschaut, weil ich kein ATF Öl gefahren bin.

    Muss ich ja gestehen, etwas schief schaue ich auch jetzt noch :D


    Ich habe bei mir einen Kurzen Voyager stehen, übrigens auch mit RSW umbau, da hat jemand statt Getriebeöl das Hydrauliköl von Liqui Moly eingefüllt. Das Getriebeöl ist dadurch grün. Das ist öl so komplett falsch, dass die Kupplungsbeläge bei kräftiger Beschleunigung durchrutschen und das Getriebesteuergerät in den Notlauf schaltet. Im "normalen" Betriebe merkt man das nicht. Bin das Auto so 500km durch Deutschland gefahren.


    dass das ATF erhöhte Temperaturen nicht so recht verkraftet.

    Das kann zwar sein. Allerdings hat man, wenn das Getriebe so heiss wird dass das Öl kapituliert, ganz andere Probleme. Nämlich die Hitze im Getriebe. Ein zusatzkühler ist dafür grundsätzlich sinnvoll. Deswegen hat Chrysler auch vom Öl<->Wasser Wärmetauscher in den etwas späteren Baujahren (ab 1993 glaube ich) noch einen zusätzlichen Öl<->Luft Wärmetauscher verbaut.


    Zusammenfassend also: ATF+4 fahren, weil das gehört in die Karren rein und einen Getriebeölkühler dazu, weil der so oder so sein muss.


    Zu Kühlersituation ist übrigens was sehr umfangreiches in Arbeit, kommt bald was zu der Thematik :)

    Ich heiße nicht Wolfram, das ist nur mein Nickname.


    "Bestandener TÜV beim ersten Versuch bringt Unglück"

  • Ein etwas umfangreicheres Update:


    Thema Kühlmittel:

    Ich habe für die Freigaben der Kühlflüssigkeit recherchiert und mal einiges rausgesucht was der Freigabe von Chrysler entspricht.

    Das Glysantin G48 habe ich aus der Liste genommen weil es nicht freigegeben ist. BASF bietet generell kein freigegebenes Kühlmittel für den Voyager an.


    Dazu von BASF:

    Quote

    Für Oldtimer mit hohen Anteil an Gusseisen würden wir Glysantin G05 empfehlen.


    Bei Motoren, wo bereits ein hoher Anteil an Aluminiumbauteilen besteht, wäre Glysantin G48 der bessere Kompromiss.

    In früheren Unterlagen hat Chrysler für den Voyager G48 empfohlen, mittlerweile ist es G05 bzw. Glysantin Classic (ist das gleiche).

    Interessanterweise wird für Fahrzeuge "bis 2010" bei Chrysler G05 empfohlen, das hat die Freigabe MS-9769. Diese Freigabe entspricht jedoch nicht den Unterlagen unserer Fahrzeuge. Ich würde deswegen wegen widersprüchlicher Angaben kein Mittel von BASF verwenden.


    Generell unterscheidet Chrysler bei Kühlmitteltechnologien zwischen IAT (genannt 3-Year formula; Freigabe MS-7170) und HOAT (5-year / 100000miles; Freigabe MS-9769). Letztere Freigabe hat für uns keine Relevanz.

    IAT = Inorganic Additive Technology

    HOAT = Hybrid Organic Acid Technology (eine Hybridtechnologie aus IAT und OAT)


    Es gibt zB von Mannol Kühlmittel mit HOAT-Technologie, aber mit der Freigabe MS-7170 und ohne der Freigabe MS-9769.

    Das Kühlmittel von Fuchs hat allerdings beide Freigaben.


    Um das ganze nicht zu verkomplizieren (wen interessiert schon Kühlmittel?) sind im Service Blatt die Kühlstoffe mit der Freigabe MS-7170 gelistet, unabhängig von der gewählten Technologie.


    Weil ich den Kram aber sowieso zusammengeschrieben habe hier eine Tabelle mit den Kühlmitteln die sich in der Tiefe nicht im Service Blatt finden:


    Marke Typ / Artikelnummer FarbeTechnologie Freigabe
    Ravenol TTC CONCENTRATE PROTECT C11 / 1410100 gelb-grünunbekannt MS-7170
    Febi G11 / 171998 blauunbekannt MS-7170
    Fuchs MAINTAIN FRICOFIN HDD gelbunbekannt MS-7170 / MS-9769
    Mannol Antifreeze AG11 Longterm / 4111 blauIAT MS-7170
    Mannol Antifreeze AG13 Hightec / 4113 grünHOAT MS-7170
    Mannol Antifreeze AG13+ Advanced / 4114 gelbHOAT MS-7170
    Motul Inugel Expert blau-grünvermutlich HOAT MS-7170
    Motul Auto Cool Expert blau-grünHOAT MS-7170
    Liqui Moly KFS 11 blauvermutlich HOAT MS-7170


    Die Farbe eines Kühlmittels spielt selbstverständlich keine Rolle, diese sind zwar oft ähnlich aber darauf kann man sich nicht verlassen.




    Thema Bremsflüsiggkeit Bendix-10:

    In den amerikanischen Service Manuals wird grundsätzlich nur DOT 3 für sämtliche Bremsanlagen freigegeben.

    In den Deutschen Service Manuals von 1994 und 1995 wird allerdings auch DOT 4 und DOT 4 Plus genannt.

    Also ist es an dieser Stelle fraglich ob DOT 4 auch für Fahrzeuge von 1991-1993 geeignet ist. Den englischen Service Manuals kann man das nicht entnehmen, da hier DOT 4 generell nicht genannt wird, dazu bräuchte man ein Deutsches Service Manual aus 1993. Mir ist nicht bekannt ob es sowas überhaupt gibt.


    In der Deutschen Bedienungsanleitungen Stand 1992 (81-026-9317(G)) wird explizit die Bendix-10 im Zusammenhang mit DOT 4 und 4 Plus genannt.

    Auf einem Spezialwerkzeug für (und nur für) die Bendix-10 findet sich folgender Sticker:


    Man kann also davon ausgehen dass DOT 4 für die Bendix-10 geeignet ist.

    Ich heiße nicht Wolfram, das ist nur mein Nickname.


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